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Schwindel und Gleichgewicht trainieren. Warum es Erwachsenen schneller schwindelig wird.

„Nochmal!“ – Für viele Kinder gehört das Karussellfahren zu den schönsten Erlebnissen auf dem Spielplatz oder Jahrmarkt. Drehen, schaukeln, springen und balancieren: Kinder bringen ihr Gleichgewichtssystem dabei ganz selbstverständlich immer wieder an seine Grenzen.

Bei Erwachsenen sieht das häufig anders aus. Schon wenige Runden auf dem Karussell können zu Schwindel, Übelkeit oder einem unsicheren Gefühl auf den Beinen führen. Doch warum ist das so?

Unser Gleichgewicht muss trainiert werden

Damit wir sicher stehen, gehen und uns im Raum orientieren können, arbeitet unser Körper mit einem komplexen Gleichgewichtssystem. Eine wichtige Rolle aber nicht die einzige Rolle spielt dabei das Gleichgewichtsorgan im Innenohr.

Es registriert Drehbewegungen und Beschleunigungen des Kopfes. Gemeinsam mit den Augen und Informationen aus Muskeln und Gelenken liefert es unserem Gehirn ständig Informationen darüber, wo sich unser Körper im Raum befindet.

Kinder nutzen dieses System im Alltag besonders intensiv: Sie drehen sich, rollen über den Boden, schaukeln, klettern, springen, balancieren und fahren Karussell. Dabei wird das Gleichgewichtssystem immer wieder gefordert und angepasst.

Erwachsene bewegen sich dagegen häufig deutlich weniger vielseitig. Wer seinen Alltag überwiegend im Sitzen verbringt und Drehbewegungen oder Situationen mit wechselnden Bewegungsreizen kaum erlebt, fordert sein Gleichgewichtssystem entsprechend weniger.

Das bedeutet nicht, dass das Gleichgewichtsorgan krank ist. Vielmehr kann das Gehirn ungewohnte Bewegungsreize weniger gut gewohnt sein. Kommt dann plötzlich eine starke Drehbewegung hinzu – zum Beispiel auf dem Karussell – kann schneller Schwindel oder Übelkeit entstehen.

Gleichgewicht kann man trainieren

Die gute Nachricht: Unser Gleichgewichtssystem lässt sich trainieren – und zwar in jedem Alter. Besonders im höheren Alter kann ein gut trainiertes Gleichgewichtssystem Stürzen vorbeugen.

Regelmäßige Übungen können dabei helfen, die Zusammenarbeit zwischen Gleichgewichtsorgan, Augen und Körperwahrnehmung zu verbessern. Besonders sinnvoll ist ein abwechslungsreicher Alltag mit unterschiedlichen Bewegungen.

Einfache Übungen für den Alltag

  1. Auf einem Bein stehen

Stellen Sie sich neben eine stabile Haltemöglichkeit und versuchen Sie, einige Sekunden auf einem Bein zu stehen. Anschließend wechseln Sie die Seite.

Wer sicherer wird, kann die Übung erschweren, zum Beispiel indem er den Kopf langsam nach rechts und links bewegt oder die Augen schließt.

  1. Zehenstand

Stellen Sie sich aufrecht hin und gehen Sie langsam auf die Zehenspitzen. Halten Sie die Position einige Sekunden und senken Sie die Fersen anschließend wieder ab. Mehrmals wiederholen.

  1. Linie gehen

Gehen Sie langsam auf einer gedachten Linie. Setzen Sie dabei einen Fuß direkt vor den anderen. Die Übung lässt sich später durch langsame Kopfbewegungen erschweren.

  1. Kopf bewegen

Im Sitzen oder Stehen den Kopf langsam nach rechts und links drehen, anschließend langsam nach oben und unten bewegen. Dabei einen festen Punkt im Raum anschauen.

  1. Bewegung in den Alltag bringen

Schaukeln, tanzen, spazieren gehen, Treppen steigen, balancieren oder schwimmen – auch ganz normale Aktivitäten können das Gleichgewichtssystem fordern.

Wichtig: Trainieren Sie nur so, dass Sie sich sicher fühlen. Bei deutlichem Schwindel besteht Sturzgefahr. Übungen zunächst am besten in der Nähe einer stabilen Haltemöglichkeit durchführen.

Warum wird mir beim Karussellfahren schwindelig?

Beim Karussellfahren erhält das Gehirn unterschiedliche Informationen: Das Gleichgewichtsorgan registriert die Drehbewegung, während die Augen möglicherweise eine andere Orientierung vermitteln.

Diese widersprüchlichen Signale können bei manchen Menschen Schwindel und Übelkeit auslösen.

Wer selten Drehbewegungen erlebt, kann auf diese Reize besonders empfindlich reagieren. Regelmäßige, dosierte Gleichgewichtsübungen können dazu beitragen, dass sich das Gehirn besser an solche Bewegungsreize anpasst.

Schwindel ist nicht immer nur eine Frage des Trainings

Nicht jeder Schwindel lässt sich mit einem wenig trainierten Gleichgewichtssystem erklären.

Wiederkehrender, neu aufgetretener oder starker Schwindel sollte ärztlich abgeklärt werden. Denn hinter Schwindel können sehr unterschiedliche Ursachen stecken – beispielsweise Erkrankungen des Innenohrs, des Gleichgewichtsnervs oder andere neurologische oder internistische Ursachen.

Eine HNO-ärztliche Untersuchung kann insbesondere dann sinnvoll sein, wenn der Schwindel durch Kopfbewegungen ausgelöst wird und in Ruhe verschwindet oder mit Hörminderung, Ohrgeräuschen, Ohrdruck oder anderen Ohrbeschwerden einhergeht.

Wann sollte ich mit Schwindel zum Arzt?

Eine ärztliche Abklärung ist empfehlenswert, wenn:

  • der Schwindel neu oder wiederholt auftritt,
  • Schwindelattacken ohne erkennbare Ursache auftreten,
  • der Schwindel sehr stark ist oder länger anhält,
  • gleichzeitig Hörminderung, Ohrgeräusche oder Ohrdruck auftreten,
  • Gangunsicherheit oder Gleichgewichtsstörungen bestehen,
  • Schwindel nach einem Sturz oder einer Verletzung auftritt,
  • oder die Beschwerden im Alltag deutlich beeinträchtigen.

Bei plötzlich auftretendem, sehr starkem Schwindel zusammen mit neurologischen Symptomen wie Lähmungserscheinungen, Sprach- oder Sehstörungen, starken Koordinationsproblemen oder Bewusstseinsstörungen sollte dagegen sofort medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.

Fazit: Mehr Bewegung für unser Gleichgewicht

Kinder machen es uns vor: Drehen, schaukeln, klettern, springen und balancieren sind ganz nebenbei ein hervorragendes Gleichgewichtstraining.

Wir Erwachsene müssen dafür nicht unbedingt wieder jeden Tag Karussell fahren. Aber wir können unserem Gleichgewichtssystem im Alltag bewusst mehr Abwechslung bieten.

Denn wie bei vielen anderen Fähigkeiten gilt auch hier:

Was regelmäßig gefordert wird, bleibt besser angepasst.

Und vielleicht ist das nächste Karussellfahren ja eine gute Gelegenheit, das Gleichgewichtssystem wieder ein bisschen herauszufordern.

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